Die ruhigste Runde der Saison
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Play Donnerstagmorgen 04:00 Abfahrt mit KD, FastForward zackig durch Doitschland, zügig nach Tirol, Berge guggen, Nauders gefunden, Himmel grau, Margarethe Maultasch Hotel, einchecken, Raimund, Klaus und Uli sowie einige Alb Extrem(isten) treffen, nächsten Tag einrollen, erster Sonnenbrand und Entdecken der Langsamkeit. Sonntagmorgen, 05:00 Wecker. Heute ist DDay. Strasse naß, was anziehen, was mitnehmen, schaff ich das? 06:30 Start in Nauders, rasende Fahrt den Reschenpass hinunter. Reichlich Fahrer mit Pannen am Strassenrand Stop Play In Prad angekommen muß die Entscheidung fallen: dem Wetterzweifel nachgeben und die Chickentour ohne Stelvio wählen oder links abbiegen? Die Versuchung ist GROSS! Links abbiegen. Augen zu. Auf geschwungenen Straßen durch das Vinschgau geht es Richtung "Wand". Stetig leicht bergauf, das kleine Kettenblatt hat schon längst Dienst. Nur nicht überziehen, locker bleiben. Erkenne die Herrlichkeit der Langsamkeit. 11km/h ist ein schönes Tempo, denn es warten noch 145km und 3.400hm. Immer schön dem grauen Asphalt folgen bis eine Rechtskurve den Blick auf die 48 Kehren des Stilfser Joch eröffnen. Heiligemuttergottes.. da soll ich hoch? Ich fühle mich so klein. Winzigklein in dieser aufgetürmten Natur. Klaus ist auch schon ganz ruhig geworden. So wie das gesamte Feld von 3.500 Startern. Und so still wird es die nächste Stunde bleiben. Kein Wort ist zu hören, kein Geplapper. Nur steter Atem, kurzatmiges Keuchen, Kettenrasseln, Pedalachsen-Quitschen und gieriges an-der-Flasche-Nuckeln erfüllt die kühle Luft der Westalpen. Obwohl es nur um die 10° sind, perlt der Schweiß auf der Stirn, die Beine bleiben kühl. Für die kommenden 45 Minuten liegen 34/29 auf.. 9km/h ist auch ein schönes Tempo. Runder Tritt, keine Schmerzen. Mit den Zeit verlieren sich die Gedanken im Rhythmus von Beinen und Atmung; eine kontemplative Erfahrung im Hochgebirge. Der Kopf schaltet ab...unbeteiligt nehme ich die Bilder um mich herum wahr: eine dicke Frau lässt sich den Berg hochschieben, Fahrer mit Profimaterial sehen schnell aus - müssen es aber nicht sein, ein Honk schaut Richtung Tal, alte Männer fordern auf Stahlrädern den vorzeitigen Infarkt heraus, überforderte Sportler rollen mir entgegen, ein MTB zieht mit Knubbelreifen an mir vorbei und strebt zum Gipfel. Und all dies in der Totenstille auf 2.000+ Metern. Ah, ein Photopoint, Grins. Kopf wieder aus, "Kehre 7". Hallo ? Steht auf dem Schild "7" ? ..ich habe die letzten 25 Kehren nicht mitbekommen..ich bin ja gleich schon oben! Ein Blick nach unten erlaubt die Aussicht auf meine Strecke der letzten zwei Stunden. Tief atmen...das habe ich hinter mir. Ich bin ein stückweit stolz. Hirn wiedr an. Oben angekommen starte ich mit Klaus in die halbstündige Abfahrt - zum Glück haben wir uns auf dem Gipfel warm angezogen aber mit jedem Höhenmeter steigt auch die Temperatur merklich an. Die 2km Naturstrasse sind ein besonderes Leckerli, der Penner in der A-Klasse vor mir findet aber das Gaspedal nicht.. Grrr! Muß ich halt in der Kurve innen überholen. Auch gut. Der anschließende Ofenpass ist nicht so lang wie der Stelvio aber dafür steiler. Und: wir sind mittlerweile in Italien angekommen und es ist ganz schön warm! Ich habe das Gefühl auf Malle zu sein.. Rückfahrt vom Cap Formentor...Nadelholz, stechende Sonne, etwas viel Verkehr. Noch ne Abfahrt und dann geht es durch gleißendes Sonnenlicht entlang es Inn im sportlichen Tempo Richtung Martina. Nur noch die elf Kehren der Nobertshöhe hochkeulen, einmal richtig angreifen am heutigen Tag. Ich werde ankommen, kein 10km mehr bis zum Ziel. Alles auf die Kurbel was noch drin ist. Keiner überholt, einige schieben. Die letzte Kehre. Oben. GESCHAFFT! Nach achtstundenundvierzehnminuten ist meine bisher härteste Prüfung bestanden. Glücklich fahre ich durch den Zielbogen und höre zum 1.000x vom adjektivarmen Streckensprecher: "eine gewoitige Leistung". Ulli erwartet uns bereits. Es war ein toller tiroler Tag mit unglaublichen Ausblicken und vielen spaßigen Stunden. Keine Stürze oder Schrammen, alles ist gut gegangen. Nur die PowerBars... die wollte ich dann doch nicht mehr schmecken müssen. |







